Weihnachtsgeschichte für Patienten

Es begab sich in der heiligen Nacht. Drei Königinnen aus dem Morgenland machten sich auf den Weg und folgten einem Stern, der ihnen bereits Tage vorher von den Astrologen angekündigt worden ist. Die Königinnen waren sehr schön und genossen in ihrer Heimat Macht und Ansehen. Neben all den geistigen Fähigkeiten, waren sie alle drei der Heilkraft kundig. So mischten sie Kräuter und Essenzen und nahmen sie mit auf ihren unbekannten Weg.

Ohne zu wissen, wohin sie der Stern geleiten würde, folgten sie ihm blind. Die drei Frauen waren ohne Angst und Zweifel, haben die Orakel doch verkündet, dass ein großer König geboren wurde, an einem Ort, der seiner nicht würdig war. Dennoch würde dieses Kind die Welt verändern und den Menschen Heil bringen. Heil bringen, das wollten sie auch. Vielleicht war das Kind krank oder seine Mutter und ihre Hilfe wäre vonnöten. Nicht auszudenken, wenn dem Kind etwas passieren würde und so die Rettung der Menschheit in Gefahr wäre. Die weisen Frauen gingen zügig voran und in den Nächten, wenn sie schliefen, schien es, als ob der Stern am Himmel erstarrte und auf ihr Erwachen wartete. Die Herzen der Königinnen waren frohen Mutes, sie hatten genügend Proviant und sie hatten einander für genügend Unterhaltung und Spaß.

Nach vielen Tagen stoppte der Stern seine Himmelsfahrt und blieb über einem ärmlichen Stall am Rande der Stadt Bethlehem stehen. Es war bereits dunkel und es war kalt. Die Frauen hatten die Wärme des Orients längst hinter sich zurückgelassen und hüllten sich fester und fester in ihre Gewänder. Als sie die schmucklose Hütte sahen, die nicht mehr als ein Bretterverschlag war, schauten sie vorsichtig durch die Ritzen hinein. Drinnen erleuchtete Feuerschein ein erstaunliches Geschehen. In einer Krippe lag ein Kind von einer solchen Schönheit, die sich nicht an Äußerlichkeiten messen ließ. Ein Mann und eine Frau mit gefalteten Händen sahen liebevoll auf das Kind und beteten es an. Schafe und eine Handvoll Hirten mit leuchtenden Augen, knieten ebenfalls vor der Krippe und beteten das Kind an. Die Frauen sanken in den kalten Schnee und vergaßen vor Ehrfurcht die Kälte und den Schmerz des langen Weges. Wie durch ein Wunder schien die kalte Luft vor dem Stall anzuhalten. Das Kind lag nackt in seiner Krippe und kein Anzeichen deutete darauf hin, dass es fror.

Die heilige Familie im Stall bemerkte die Gäste und bat sie herein. Nacheinander betraten die Frauen aus dem Morgenland den Stall und huldigten dem Kind, das sanft lächelnd in der Krippe lag. Plötzlich kam aus der Ecke ein röchelnder Laut, der die Stille mit einem Mal durchbrach. Selbst das Kind vergaß für einen Moment sein Lächeln und in seinen Augen sahen die Frauen das ganze Leid der Menschheit. „Wer bist du und was fehlt dir“, fragte eine der Königinnen. Die Antwort kam schwach: „Ich bin einer der Hirten und bin wie die anderen dem Stern bis hierher gefolgt. Auf der letzten Wegstrecke muss mich das Fieber erwischt haben und ich konnte mich gerade noch auf das Strohlager retten. Meine Kraft reichte nicht einmal mehr aus, um dem Kind Ehre zu erweisen“. Die Stimme erstarb und eine der Frauen begab sich in die Ecke des Stalls, um dem Hirten zu helfen. „Unsere mitgebrachten Essenzen werden dich heilen und wenn du gesund bist, kannst du dem neuen König deinen Dank sagen“. „Nichts würde ich lieber tun in meinem Leben und wenn es das Letzte wäre“, flüsterte die Stimme schwach.

Für einen Moment vergaßen alle das Kind in der Krippe. Keiner bemerkte wie es die Augen zum Himmel hob, seinen kleinen Mund bewegte, so als ob es einen Dialog sprach. Nach ein paar Augenblicken zeigte sich ein friedliches Lächeln auf seinem Gesicht und es griff nach der Hand seiner Mutter. Plötzlich tat sich die Tür durch einen gewaltigen Windstoß auf und Schneeflocken wirbelten in das Innere des Stalls. Mit ihnen erhellte ein Licht die Behausung und die Menschen im Inneren wichen ängstlich vor dem ungewohnten Schein zurück. Nur das Kind und seine Mutter blieben still und zeigten keine Furcht. So schnell wie es gekommen war, so schnell erlosch der Schein und die Türe schloss sich lautlos.

Die drei, weisen Frauen blickten sich erstaunt an, wagten sich aber aufgrund der ungewöhnlichen Ereignisse nicht zu bewegen. Aus der Ecke des Stalls erhob sich ein Hirte. An der Stimme erkannten die Frauen den kranken Mann. Gesundet und voller Kraft ging er zu dem Kind, berührte zart seine Hand und Tränen liefen ihm dabei über die Wangen. „Was hätte mir alle Heilkunst genutzt, hätte ich meinen Glauben nicht“, sprach der Mann und verschwand im Dunkeln der Nacht. Das Kind in der Krippe war in der Zwischenzeit eingeschlafen und den Frauen aus dem Morgenland war es so, als hätte es einen hellen Kranz um sein Köpfchen. Verwoben mit der Kraft des Glaubens baten sie das Kind um die Heilung der Menschheit und versprachen ihm, ihre Heilkunst in die ganze Welt zu tragen.

Weihnachtsgeschichte für Patienten
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