Weihnachtsgrüße an Hinterbliebende

Das Liebste auf der ganzen Welt,
man gibt es nicht gern her,
ganz fest man es in Händen hält,
weil’s Zeit noch gar nicht wär’.
Doch gabst auch Du die große Liebe
dies Jahr der Ewigkeit dahin,
und Dir erschien, als ob nichts bliebe
von des erfüllten Lebens Sinn.
Zu Weihnachten ist’s schrecklich schwer,
scheint doch so sinnlos Lied und Gabe,
doch droben, in der Engel Sphär
wohnt sie, und nicht im düsteren Grabe.

Lass’ uns weinen um die Toten,
grade jetzt zur Weihnachtszeit,
Engel schickte Er als Boten,
still zu teilen unser Leid.
Und am Baum, die hellen Kerzen
sind für die, die nicht mehr sind,
erlöst vom Leide und von Schmerzen
wohnen sie beim Jesuskind.


Suche den Sinn des Todes nicht,
denn Gott versprach ewiges Leben,
quält Dich der Kummer, sieh das Licht,
und das Haupt sollst hoch Du erheben.
Zur Weihnachtszeit, erlaube ein Wort,
gib selbst Dir etwas neuen Schwung,
die Toten sind nicht an finsterem Ort,
sondern leben in unsrer Erinnerung.

Fröhliche Weihnacht, das kann ich nicht sagen,
einer Frau, die doch schwarz gekleidet geht,
doch besinnliche Weihnacht, das will ich wagen,
die sei es, die Dir nun ins Hause steht.
Schwer, die zu trösten, die untröstlich ist,
weil ihr die Liebe auf Erden musst scheiden,
doch der Mann, den sie niemals mehr vergisst,
er muss nun keinen Schmerz mehr erleiden.

Kein Lied könnte jemals ersingen
was fühlte des Herzens Leid,
und dennoch soll es uns erklingen,
es macht uns die Räume so weit.
Nur Gast sind wir hier auf Erden,
zum Gehen allezeit stets bereit,
wir sind Schäflein aus Gottes Herden,
und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Komm, mein Kind, ich halte Dich,
und lasse Dich nie wieder gehen,
das Schicksal lehrte uns Verzicht,
und ließ uns raue Winde wehen.
Komm, wir schmücken Vaters’ Grab
mit Tannenzweig und Kerzen,
das ist der Weihnacht Liebesgab’,
er wohnt mitten in unseren Herzen.

Es war ihr nicht mehr gegeben,
diese Weihnacht zu erleben,
zu lange hat sie gelitten,
die Ewige Ruh’ sich erstritten.
Es war mir nicht mehr gegeben,
den Abschied von ihr zu nehmen,
aber bei jedem Schritt und Tritt
nehme ich sie im Herzen nun mit.

Gott schenkt Wunder, doch auch Wunden,
reißt sie jenen, die er liebt,
doch er schenkt auch schöne Stunden,
weil er Zweisamkeit uns gibt.
Doch wie Er gab, hat Er genommen,
schickt jäh den in die Ewigkeit,
dem tief bestürzt und sehr beklommen
wir gedenken heuer zur Weihnachtszeit.